Jeder kennt sie, aber meist nur aus der Tasse: Camellia sinensis ist der Strauch, der alle Sorten vom schwarzen bis zum grünen Tee liefert. Wie wir die Wirkung der Teepflanze seit Jahrtausenden zu nutzen wissen und wie man sie sogar zu sich nach Hause holen kann, verraten wir hier.

 

Der Teestrauch aus Fernost

Schwarzer und grüner, gelber und weißer Tee, Oolong und Pu-erh sind alle sehr unterschiedlich, und doch stammen sie alle von einer Pflanze. Ein exotischer Strauch, dessen feine Blätter längst zu unserem Alltag gehören: das ist die Teepflanze Camellia sinensis, auch Thea sinensis genannt. Die Gattung der Kamelien gehört in der Botanik zur Familie der Teestrauchgewächse. Neben der Strauch-Form trifft man die Camellia jedoch auch als Baum an, der bis zu neun Meter hoch werden kann.

In China hatte man die Pflanze bereits ein paar Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung kultiviert und Tee daraus gewonnen. Aus China kam der grüne Tee nach Japan, wo man auch heute noch eine sehr ausgeprägte Kultur rund um die Teezeremonie pflegt. Das heiße Getränk mit Koffein und voller guter Wirkung für die Gesundheit kam jedoch erst im 17. Jahrhundert über die holländische Ostindien-Kompanie nach Europa. Die erste Anlaufstelle des asiatischen Tees in Deutschland war Ostfriesland - deshalb ist der schwarze Ostfriesen-Tee auch heute noch gerne bei uns getrunken. Laut Studien decken Deutsche drei Viertel ihres Tee-Konsums durch Schwarztee.

Die schön blühende Kamelie fand in Europa bereits in der Oper La Traviata Erwähnung. Auch bei uns wird die Pflanze angebaut: inzwischen gibt es auch britische und deutsche Tee-Plantagen in der Nähe von Freiburg. Dennoch kommen die meisten aromatischen, getrockneten Blätter aus fernen Ländern. Dort haben sie ideale klimatische Verhältnisse und Platz zum Wachsen. Woher unser Tee stammt und wie aus einer Pflanze ein köstliches Getränk wird, darum geht es im Folgenden.

 

Camellia sinensis in Tasse und Garten

Das "sinensis" im Namen steht für "aus China". Die Teepflanze mit der weiß-gelben Blüte ist jedoch auch in Indien und Südostasien zu Hause. Hier gibt es zwei wichtige Varianten je nach Verbreitungsgebiet: die Camellia sinensis var sinensis, der "Chinastrauch", der für hochwertigen grünen Tee steht, und Camellia sinsensis var assamica (oder Camellia assamica). Letztere Art mit den größeren Blättern ist im indischen Assam beheimatet und aus dem "Assamstrauch" wird vor allem schwarzer Tee gemacht. Wir kennen den Tee aus diesem Teil des Landes als Assam-Tee. Weitere Teesorten aus Indien sind Ceylon und Darjeeling. Hybride zwischen beiden Kamelien-Arten sind ebenfalls möglich.

Auch heute noch gehören China und Indien zu den wichtigsten Tee-Erzeugerländern, aber solche Kamelien wachsen auch in anderen ostasiatischen und afrikanischen Ländern, vor allem in Kenia. Nicht zuletzt Japan, das für besonders hochwertige Tees wie Sencha, Gyokuro oder Matcha-Tee bekannt ist.

Die Camellia sinensis-Varietäten unterscheiden sich nicht nur in der Herkunft, sondern auch in der gesundheitsfördernden Wirkung und im Geschmack. Die Camellia sinensis sinensis schmeckt im Vergleich zur Assam-Variante deutlich milder und steckt voller gesunder Inhaltsstoffe wie Vitamine, Aminosäuren und Catechine. Da liegt es nahe, dass diese Effekte durch schonende Verarbeitung, wie beim Grüntee, bewahrt werden wollen. Die Teepflanze Camellia sinensis assamica aus Indien hat dagegen mehr Tannine (Gerbstoffe) und Koffein. Über die positive Wirkung der einzelnen Inhaltsstoffe schreiben wir hier im Detail.

Oryoki - Grüner Tee: Wirkung

Es gibt neben einigen anderen Kamelien noch eine Camellia japonica, aus der wird jedoch kein Tee gemacht. Stattdessen ziert die japanische Kamelie mit ihren wunderschönen weißen, roten oder purpurnen Blüten die Gärten, und hat es sogar zur Staatsblume Alabamas in den USA geschafft. In Dresden wächst außerdem eine besonders alte Kamelie aus Japan - ein Exemplar, das über 200 Jahre alt ist. Während der Blütezeit im Winter können Zehntausende von Blüten bestaunt werden.

Camellia japonica

 

Eine Pflanze - Dutzende Tees

Wie werden aber aus nur einer Pflanzen-Art nur so viele verschiedene Teesorten? Hier geht es um die Verarbeitung. Während Grüntee etwa nur geröstet und getrocknet wird, ist schwarzer Tee zusätzlich auch fermentiert. Bei weißem Tee hingegen wird die Oxidation durch Erhitzen unterbunden. Schauen wir uns im Detail an, wie einzelne Teesorten aus den grünen Blättern und Knospen der Kamelie entstehen.

  • Grüner Tee: die Camellia-Blätter werden zunächst gedämpft oder in einer Pfanne geröstet, dann gerollt und getrocknet. Da die Verarbeitung bei Grüntee sehr schonend ist, bleiben alle gesunden Inhaltsstoffe erhalten. Beim japanischen Matcha-Tee wird nicht das ganze Blatt, sondern das Pulver daraus zubereitet. Einzelne Sorten grünen Tees unterscheiden sich durch den Anbau und die Ernte-Zeit
  • Pu-erh-Tee: nach dem Trocknen werden die Blätter noch nachträglich fermentiert. Solch ein Tee kann über 50 Jahre alt werden, bevor er getrunken wird, und hat einen sehr intensiven Geschmack
  • Gelber Tee: für diese seltene Teesorte werden die jungen Knospen und Blätter der Camellia nach dem Rösten über längere Zeit gedämpft, dann noch einmal bei hoher Temperatur geröstet. So schmeckt sie auf natürliche Weise süß und hat eine einzigartige Farbe, die durch die langsame Oxidation entsteht
  • Weißer Tee: hier nutzt man ausschließlich die jungen, zarten Knospen der Teepflanze. Diese werden zunächst in der Sonne oder in einem Raum gelassen, damit sie welken und eine leichte Oxidation einsetzt. Statt sie zu rösten, werden sie hier bei 100 Grad gebacken und dann gerollt sowie getrocknet. Weißer Tee ist für seine besonders anregende Wirkung bekannt
  • Schwarzer Tee: die frischen Blätter der Kamelie welken auch hier zunächst vor sich hin. Dann werden die Blätter gequetscht und ihre Struktur somit zerstört, damit die Oxidation in vollem Gange ist. Erst dann werden sie gerollt und getrocknet
  • Oolong-Tee: die Herstellung ist wie beim Schwarztee, nur dass die Blätter nach dem Welken nur leicht geschüttelt und dann erhitzt werden - mit Dampf oder in der Pfanne. So durchlaufen sie die Oxidation nur teilweise.

 

Pflege der eigenen Camellia sinensis

Camellia sinensis Pflanze

Tee selbst pflanzen - das geht doch gar nicht? Und wie! Die kleinen Bäume sind in vielerlei Sorten für den heimischen Garten erhältlich. Manche Varietäten haben einen angenehmen Duft und sind sogar winterhart - bei der Kamelie nicht selbstverständlich.

Wer eine echte Teepflanze bei sich anbauen möchte, muss nur einige Details zu ihrer Pflege kennen. Sie kann im Garten oder auch als Zimmerpflanze gedeihen. Die Kamelie zeigt ihre duftenden Blüten in der Regel im Herbst (August bis Oktober), kann aber das ganze Jahr über angebaut werden. Pflanzen sollte man sie bei Zimmertemperatur (etwa 20-25 Grad Celsius). Nach etwa einem Monat werden die Samen keimen und der Mini-Baum sollte etwas Zeit zum Wachsen bekommen, bevor er umgetopft wird.

Die Camellia sinensis braucht Licht, verträgt jedoch keine direkte Sonne. Daher bevorzugt die Teepflanze einen halbschattigen Platz. Sie mag eine hohe Luftfeuchtigkeit und nicht zu viel Hitze - vor allem im Sommer also regelmäßig mit kalkfreiem Wasser einsprühen. Zu viel Wind tut ihr ebenfalls nicht gut. Feuchte, leicht saure Erde ist gut geeignet (optimal ist Rhododendron-Erde mit höherem pH-Wert), dafür braucht die Camellia sinensis nicht so viel zusätzliches Wasser. Die Kamelie freut sich außerdem über organischen Dünger von Frühjahr bis Herbst. Überwintern sollte sie, zumindest die nicht winterharten Sorten, am besten in den ersten Jahren an einem geschützten Platz im Haus.

Im März kann die Ernte beginnen, wenn man sich selbst daran versuchen möchte, echten Tee aus heimischem Bio-Anbau herzustellen. Je früher die Blätter geerntet werden, desto mehr Aroma bekommt das Getränk. Am besten pflückt man die jüngeren, feinen oberen Triebe. Bis Mitte April erhält man den "First Flush", zwischen Mai und Juni den "Second Flush". Der Herbst-Tee, die letzte Pflückung, wird zwischen Oktober und November geerntet.

Man kann die Ernte sogar direkt essen: auch wenn sie nicht so gut schmecken wie frisch aufgebrüht, stecken sie voller guter Wirkstoffe für die Gesundheit: Polyphenole (sekundäre Pflanzenstoffe), antioxidative Wirkstoffe, Vitamin C, Catechine und einer Menge anderer Inhaltsstoffe. Nicht umsonst gilt insbesondere Grüntee als natürlicher Schutz gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Infektionen, einen zu hohen Cholesterinspiegel und andere Beschwerden. Wichtig ist die richtige Zubereitung und eine nicht zu hohe Dosierung. Neben diesen positiven Effekten erfreut die echte Teepflanze das Auge und die Nase - was will man mehr?

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