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„Die Schüssel“ – die wörtliche Übersetzung von Donburi – klingt zwar nicht besonders originell, das ist Donburi aber allemal. Entdecken Sie, welche köstlichen Formen so eine Schüssel Reis annehmen kann.


Comfort Food für Körper und Seele

Reis mit Toppings? Nahrhaft, wärmend, schnell und lecker zugleich. Außerdem einfach zu essen: Es ist ja nur eine Schüssel. Das haben sich Japaner bereits in der Edo-Zeit (1603-1868) gedacht und an Zuschauer von Noh-Theaterstücken serviert. In den zweieinhalb Stunden der Aufführung wurden die Gäste schließlich hungrig, und anders als bei uns ist es in Japan auch heute nicht verpönt, im Theatersaal zu essen und zu trinken.

In der darauffolgenden Meiji-Ära (1868-1912) wurden Donburi allgegenwärtig gegessen. Besonders, wenn die Zeit knapp und die Arbeit schwer war. Das beliebte Donburi entwickelte sich weiter zu einer Fülle von Spezialitäten – jede Region hat ihre eigenen Rezepte.

Japan ist aber nicht das einzige Land, das gern Reis mit Beilagen isst, die sich obendrauf stapeln: In Korea gibt es das beliebte Bibimbap, die schärfere Version des Donburi, bei dem man vor allem gern vielerlei Reste mit einer Chilipaste zubereitet und auf Reis bettet. Auf den Philippinen ist das Gericht auch einfach als Rice Toppings bekannt.


Donburi Guide: So erkennen Sie die Schüsseln

Man kann Donburi mit fast allem essen, was man mag: Mit Tofu, Gemüse, Ei, Kaviar, Fisch oder Fleisch – letztere Zutaten spielen eine besonders wichtige Rolle bei dieser Spezialität. All diese Gerichte tragen das Suffix Don 丼 – nicht zu verwechseln mit Udon, den dicken Nudeln, die oft in Suppen zu finden sind – und lassen am Namen erkennen, was auf dem Reis thront. Dieser trägt oft die abgekürzte Bezeichnung der Zutat. Folgende Varianten gehören zu den beliebten Donburi-Gerichten:

  • Unadon 鰻丼 für Aal – der als Unagi in Japan bekannt ist
  • Gyudon für Donburi mit Rindfleisch
  • Tamagodon 玉子丼 für Rührei auf Reis
  • Sogar Schnitzel gehört zu dieser Spezialität: Dieses Donburi heißt Katsudon カツ丼
  • Tempura auf Reis heißt Tendon 天丼, kurz für Tempura Donburi
  • Butadon 豚丼 für die Schweinefleisch-Bowl
  • Donburi mit Hähnchen und Ei trägt einen interessanten Namen: Oyakodon 親子丼 heißt „Eltern-Kind-Don(buri)“. Frühlingszwiebeln kommen ebenfalls dazu
  • Tekkadon 鉄火丼 ist Donburi mit Thunfisch
  • Eine Schüssel Donburi mit Curry nennt man Karedon カレー丼
  • Teriyaki und Reis passen super zusammen im Teriyakidon 照り焼き丼
  • Auch Sashimi und andere Meeresfrüchte kann man auf Reis machen: Dann erhält man das etwas teurere Kaisendon 海鮮丼
  • Aus Hokkaido kommt das bunte Uni Ikura Donburi: Reis mit Seeigel und Kaviar. Was ungewöhnlich klingt, kommt auf der nördlichen Insel vor allem zu Neujahr gern auf den Tisch.


Wie isst man Donburi in Japan?


Donburi - Comfort Food für Kopf und Seele

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Eine weitere Besonderheit des Donburi ist die zugehörige Sauce, in der die Zutaten meistens zusammen mit Zwiebeln und anderem Gemüse geschmort werden. Die Sauce besteht oft aus Dashi-Fischbrühe, Soja-Sauce und Mirin, süßem Sake und kann je nach Zutaten, Region, Saison und natürlich Koch variieren. Zucker und Sake findet man ebenso oft darin. Zum Schluss wird das Ganze gern noch mit einem rohen Ei oder Mayonnaise gekrönt.

Eine sehr beliebte Beilage zum Donburi ist die Misosuppe. Beide Gerichte werden mit Stäbchen gegessen, auch wenn es uns beim Reis ungewohnt erscheint – in Japan ist er aber klebrig genug, sodass er am Essbesteck gut haften bleibt. Ein Löffel würde diese Struktur eher kaputtmachen.

Heute sind Donburi aus Japans Schnellrestaurants nicht mehr wegzudenken. Man kann sie dort an speziellen Automaten bestellen: Besucher kaufen ein Ticket und lösen es an der Theke ein. In der Küche wird es dann innerhalb weniger Minuten zubereitet. Eine solche Schüssel kostet im Durchschnitt 500 Yen (etwa 4 Euro): Eine Summe, für die man mehr als satt wird. Einige Restaurant-Ketten haben das „Fast Food“ Donburi so zu ihrem Markenzeichen gemacht: Yoshinoya, Tempura Tendon, Sukiya und viele andere. Deren bunte Speisekarten zieren appetitanregende Fotos der Reisschüsseln.

Donburi schmeckt nicht nur gut und passt in die kurze Mittagspause von Büroangestellten, es kann auch Glück bringen: Katsu kann im Japanischen auch „gewinnen“ heißen. Deswegen essen Schüler und Studenten vor wichtigen Prüfungen gern eine Schüssel Katsudon, um besonders gute Ergebnisse zu erzielen. Neben Reis spielt im Katsudon Tonkatsu, speziell paniertes Schweinefleisch, die Hauptrolle.


Klassisches japanisches Rezept für Gyudon

Unagi Donburi – Unadon – mit Aal war die erste Form des Reisgerichtes. Gyudon, bekannt als „Beef Bowl“, ist heute dagegen die beliebteste. Zartes Rindfleisch, süße Zwiebeln und eine pikante Sauce: Wer kann da widerstehen? So kochen Sie den japanischen Comfort-Food-Klassiker zu Hause nach.

Zutaten für zwei Portionen Donburi

  • 400 g gedämpften Rundkornreis, z.B. für Sushi
  • 340 g dünn geschnittenes Rindfleisch
  • ½ Zwiebel
  • 2 Frühlingszwiebeln
  • 120 ml Dashi-Fischbrühe (oder Gemüsebrühe)
  • 2 EL Sojasauce
  • 2 EL Mirin
  • 1 EL Sake
  • 1 EL Zucker
  • 2 Eier (optional)
  • 2 EL eingelegter Ingwer (optional, zum Servieren)


Bereiten Sie zuerst den Reis zu (hier haben wir eine Anleitung für perfekten japanischen Reis) und teilen ihn auf die Schüsseln auf. Achten Sie darauf, dass das Rindfleisch möglichst dünn und in mundgerechte Stücke geschnitten ist. Schneiden Sie dann die Zwiebeln und Frühlingszwiebeln in dünne Scheiben.

Oryoki Blogartikel - Reis kochen auf japanische Art

Heizen Sie eine große Pfanne auf, stellen Sie sie auf mittlere Hitze und geben Dashi, Sojasauce, Mirin, Sake und Zucker hinein. Mit geschlossenem Deckel kochen Sie die Sauce kurz auf. Dann braten Sie die Zwiebeln und Frühlingszwiebeln darin an, bis sie zart sind. Schließlich kommt das Fleisch hinein. Lassen Sie es köcheln, bis es braun ist. Schlagen Sie die Eier auf und geben Sie diese in die Pfanne, bevor Sie Fleisch, Sauce und Gemüse damit vermengen.

Das Ganze kommt dann direkt auf den gegarten Reis. Garnieren Sie Ihr Gyudon nach Belieben mit geriebenem, eingelegtem Ingwer. Schon ist Ihr eigenes Donburi fertig!

Wie alle Donburi kennt auch Gyudon verschiedene Rezepte. In einigen werden alle Zutaten für die Sauce, außer Dashi, erst später zusammen mit dem Fleisch hinzugefügt, in anderen die Zwiebeln zuerst in Öl gedünstet und dann mit Sauce versehen. Probieren Sie aus, was Ihnen am besten schmeckt!

Tipp für vegetarisches Gyudon: Wenn Sie lieber auf Fleisch verzichten möchten, ersetzen Sie das Rindfleisch einfach durch Tofu. Besonders lecker ist frittierter, japanischer Tofu (Aburaage), der eine eigene, süße Note mitbringt. Man bekommt ihn oft im Asia-Markt. Ansonsten passt auch die weiße oder geräucherte Variante dazu – je nach Geschmack. Einfach genauso in der Sauce zubereiten und genießen.

Sie möchten eine Beilage wie beim typisch japanischen Donburi? Sehen Sie hier, wie Sie eine köstliche Misosuppe zaubern.


Oryoki Blogartikel - Miso Suppe

 

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