Schlafen wie in Japan: Das geht nur auf einem Futon richtig authentisch. Machen Sie es sich bequem und lassen Sie sich überraschen, was die japanische Matratze alles kann und warum sie auch bei uns so beliebt ist.

 

Was ist Futon und was nicht?

Bloß eine Matratze? Ein Futon (布団) ist mehr als das. Erst einmal kann man die Unterlage selbst als Futon bezeichnen oder auch das Gesamtpaket. Für viele Japaner ist dagegen heute jede Art von Bett ein „Futon“, zumindest im Sprachgebrauch. Ein vollständiges, traditionelles japanisches Bett, besteht zumindest aus zwei Teilen: Dem Shikibuton (wörtlich „Futon zum Ausbreiten“, 敷き布団) also der Matratze an sich inklusive Matratzen-Topper, und Kakebuton (wörtlich „Futon zum Bedecken“, 掛け布団), der (Stepp-)Decke.

Dazu kommt noch Makura (枕), das Kissen. Statt Tierfasern oder Stoff ist es mit Buchweizen oder Bohnen gefüllt. Klingt erst einmal unbequem, tut aber Wunder für den Hals und Nacken: Das Kissen passt sich perfekt an die Kopf- und Schlafposition an und hat eine natürliche Dämmfunktion, die von der Temperatur abhängt. So spendet es, ähnlich einem Körner-Kissen, Wärme in der kalten Jahreszeit und kühlt angenehm, wenn es zu warm wird. Makura-Kissen können durch ihren stützenden und massierenden Effekt sogar Schmerzen sowie Fehlformationen lindern und entgegenwirken. Ein weiterer Faktor, der dafür sorgt, ist die kleinere Länge von bis zu 30 cm, dafür gibt es die Kissen je nach Geschmack in vielen verschiedenen Formen.

Aber auch der Kakebuton ist besonders. Diese Decke besteht, wie auch der Futon, klassischerweise aus 100 % reiner Baumwolle. Viel Gutes und Authentisches in Japan ist mit Sorgfalt handgemacht und diese Qualität hat auch ihren Preis. Bei dieser Decke bringt es aber gleichzeitig viele Vorteile mit sich: Zunächst ist der Kakebuton aus natürlichem Material, das Schimmel und Milben den Garaus macht. Außerdem ist die Decke angenehm warm und gleichzeitig atmungsaktiv, was in Sommernächten eine Wohltat ist. Versehen mit typisch japanischen Mustern kann man den Kakebuton schnell in einen Blickfang verwandeln.

 

Besser schlafen seit …

Der Futon entwickelte sich und revolutionierte die Schlafkultur in Japan über die Zeitalter hinweg. Bis etwa ins 12. Jahrhundert wurden die Schlafmatten aus Binse und Reisstroh gewebt und auf Holz platziert. Dadurch waren sie aber zu dünn, um entsprechenden Komfort zu bieten, und mussten geschichtet werden. So entstand zuerst die Tatami-Matte: Zu Beginn als Sitzmöglichkeit für Adlige und Schlafunterlage für Samurai, bedeckte sie spätestens im 16. Jahrhundert ganze Räume. Da der Anbau von Reis und anderen Pflanzen immer effizienter wurde, stand mehr als genug Stroh für das Schlafzimmer zur Verfügung.

Außerdem hatten in Japan wohlhabende Menschen ein Kissen zusätzlich zu ihrer Strohmatte, oder sogar eine Art Himmelbett aus Seide, das sich etwa im 8. Jahrhundert großer Beliebtheit bei Adligen erfreute. Abgesehen von der Ästhetik hatte es auch einen praktischen Nutzen: Es bot einen Schutz vor lästigen Insekten im Sommer und vor beißender Kälte im Winter.

Als Tatami-Matten in japanischen Häusern Einzug erhielten, benutzte man auch mit Baumwolle gefüllte Decken: Der Kakebuton war geboren. Interessanterweise hatten die ersten Kakebuton noch Ärmel, die aber nicht für die Arme benutzt wurden: Stattdessen wurden sie zum Wärmen und zur Stabilisierung der Decke seitlich neben dem Futon ausgelegt. Bis die ersten bequemen und warmen Futon Betten aus Baumwolle auftauchten, sollte es aber noch etwas dauern. Erst in der Edo-Zeit (1603 bis 1868) boomte die Produktion von Baumwolle, sodass es sich bald jeder leisten konnte, auf dieser auch zu schlafen.

Dass Tatami-Matten einst auch zum Schlafen verwendet wurden, erinnert das leicht erhöhte Tokonoma in japanischen Häusern: Eine kleine Nische, in die Gemälde, Ikebana oder andere Kunstgegenstände platziert werden. Das Schlafzimmer war ehemals nämlich ein Ort, der gern dekoriert wurde und entwickelte sich daher zum Zentrum des Hauses, in dem Gäste empfangen wurden.

 

Ein Bett mit vielen Talenten

Futon - Ein Bett mit vielen Talenten

Bildnachweise: Autor: Toby Oxborrow | Flickr | License

Aus Japan kam der Futon etwa in den 80ern nach Europa. Mit seiner Natürlichkeit, minimalistischer Eleganz, praktischer Natur und den vielen Vorteilen für die Gesundheit wurde er schnell zum Erfolg. Was unterscheidet nun aber Futons von Matratzen, etwa Latexmatratzen, wie wir sie kennen? Normalerweise ist ein Futon aus reiner Baumwolle hergestellt, mit Filzknöpfen gesteppt und recht dünn: Etwa 5 bis 10 cm dick, was sechs Lagen Baumwolle entspricht, werden Futons hergestellt. Auch ihre Länge und Breite ist mit 180 zu 90 cm traditionell kleiner als bei uns und für japanische Bedürfnisse hergestellt: Die Maße entsprechen einer Tatami-Matte, auf der ein Futon in Japan ausgerollt wird. Allerdings dehnt sich ein frisch gekaufter Futon nach einiger Zeit aus, sodass er zunächst klein aussehen könnte. Natürlich gibt es heute Varianten in allen erdenklichen Größen für alle, die mehr Platz zum Schlafen haben möchten. Außerdem sind Futonbetten robuster und nicht so schnell durchgelegen wie westliche Matratzen. So halten sie sehr lange und Sie sparen eine Menge Geld und Platz mit einem solchen preiswerten Bett.

Eine Futonmatratze ist durch ihr natürliches Material gleichzeitig umweltfreundlich, frei von Schadstoffen und komfortabel, ganz zu schweigen davon, dass sie sich nicht statisch auflädt. Abgesehen vom praktischen Aspekt, dass der Futon kompakt zusammenrollbar ist, ist er durch seinen festen Charakter wohltuend für den Rücken – besonders für Seitenschläfer. Glaubt man der alten japanischen Weisheit, so macht eine harte Unterlage den Körper ebenfalls härter und resistent gegenüber Krankheiten und Schmerzen. Moderne Studien bestätigen zudem längst, dass zu weiche Matratzen Rückenprobleme verursachen können.

Wem ein authentischer japanischer Futon dagegen doch zu hart ist, kann sich an einer breiten Auswahl an modernen Varianten von Futon-Matratzen erfreuen, die mit verschiedenen Materialien versehen sind. Online und im Fachhandel wird man hier schnell fündig. Solche Materialien haben verschiedene Fähigkeiten:

  • Schaumstoff macht den Futon weicher und verteilt das Körpergewicht optimal
  • Latex oder Kautschuk sorgt für Elastizität und staubt nicht, was Allergiker freut
  • Schurwolle wärmt sehr gut, wirkt selbstreinigend und saugt Feuchtigkeit und Geruch ohne Spuren auf
  • Rosshaar hält die Futon-Matratze trocken und robust
  • Pflanzliche Inhaltsstoffe wie Hanf oder Kokos sorgen für eine optimale Durchlüftung und Isolierung des Futons.

 

Entspannen wie in Japan

Auch heute halten Japaner gern auf Tatami-Matten ihr Nickerchen. Da dies aber fast an jedem Ort üblich ist, ob im Zug oder im Büro, ist es fraglich, ob der Strohbelag für uns wirklich so bequem wäre. Ein Futon Bett dagegen bietet Komfort für einen guten und festen Schlaf.

In der simplen, traditionellen Variante in Japan wird der Futon heute noch auf der Tatami-Variante ausgerollt. Etwas luxuriöser, an den westlichen Lebensstil angepasst, ist das japanische Bett aus Holz oder Metall. Dieses ist immer noch niedriger als das europäische und besteht im Grunde nur aus Brettern. Auf diese Weise ist ein solches Futonbett flach und platzsparend. Vom simplen Design, das zur japanischen Ästhetik passt, bis hin zu ausgefallenen, abgerundeten und verzierten Varianten ist hier alles möglich. Auch Schubladen zum Aufbewahren können eingebaut sein.

Es ist ebenso möglich, einen Futon auf einem klassischen Bett mit Lattenrost zu platzieren, auf ein Gestell zu legen, oder als Schlafsofa neu zu interpretieren – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Da der klassische, dünne Futon jedoch für Tatami und Boden optimiert ist, sollte man in einem solchen Fall lieber zu einem gemischten Modell greifen als zu reiner Baumwolle. Diese oben erwähnten Arten sind gut für das westliche Bett oder Schlafsofa geeignet und können wie herkömmliche Matratzen auf Lattenroste gelegt werden, da sie etwas dicker und an europäische Verhältnisse angepasst sind. So sind Futon Betten weicher und unterstützen optimalen Schlafkomfort, wenn man erhöht liegen möchte.

Für kleine Wohnungen eignet sich ein in der Wand eingebautes Bettgestell, das samt Futon in der Wand verschwinden kann. Aber auch an sich kann der dünne und biegsame Futon leicht zusammengerollt und verstaut werden, sodass tagsüber der Platz des Bettes anderweitig genutzt werden kann. In kleinen, japanischen Wohnungen hat man oft kein getrenntes Schlafzimmer und kann jeden gewonnenen Platz gut gebrauchen. Eine solche Flexibilität ist auch für Umzüge von Vorteil. Speziell dafür gibt es in traditionellen japanischen Häusern Einbauschränke (Oshiire).

 

Modell zum Massieren oder Meditieren

Man kann auf einem Futon aber nicht nur schlafen. Solch eine vielseitige Unterlage eignet sich für verschiedene Aktivitäten, und die verschiedenen Varianten der japanischen Matratze machen dies deutlich.

Für eine entspannende Massage eignet sich etwa der Shiatsu-Futon hervorragend. entspannende japanische Fingerdruckmassage und orientiert sich an der Harmonie und Balance zwischen Körper und Geist. Ein Futon für Shiatsu besteht meistens aus vier Lagen Baumwolle und ist damit etwas dünner und härter als der Futon zum Schafen. Dafür bietet er einen festen, sicheren und isolierenden Untergrund für effektive und wohltuende Shiatsu-Massagen. Dazu gibt es spezielle Laken und Kissen, denen auch Massageöl nichts anhaben kann. Manch einer benutzet solch eine Matte auch gerne für Yoga, und wenn sich mal Besuch ankündigt, ist sie sehr gut als Matratze für Gäste verwendbar.

Aus der Edo-Zeit kommt ein weiteres Mitglied der Futon-„Familie“: Das Zabuton (wörtlich: „Sitz-Futon“, 座布団), das als Sitzkissen für die Meditation dient. Oder auch als Unterlage, denn auf das Zabuton wird oft noch ein rundes, weiches Zafu gelegt. Diese Konstruktion dient traditionell bei der Zazen-Meditation, sowohl im Tempel als auch zu Hause, einem bequemen Sitz und einer geeigneten Haltung: Gerade und leicht nach vorne gebeugt. Außerdem schützt eine gute Unterlage vor Kälte.

 

Futon-Matratzen richtig pflegen

Futon-Matratzen richtig pflegen

Bildnachweise: Autor: Chris RubberDragon | Flickr | License


Damit ein robuster Futon Ihnen noch lange gute Dienste leistet, benötigt er lediglich etwas Pflege. Dazu sollten Sie ihn regelmäßig lüften und trocknen, am besten draußen an der Sonne.
Für alle, die keinen Balkon oder Terrasse zum Aushängen haben, gibt es sogar spezielle Geräte zum Trocknen, die ähnlich wie ein Föhn warme Luft durch die Futon-Matratze und den Kakebuton blasen.

Täglich zusammenrollen ist außerdem wichtig, um zu verhindern, dass aufgenommene Feuchtigkeit in der Baumwolle bleibt: Wenn der Futon gerollt wird, entfalten sich die saugfähigen Fasern wieder. Außerdem wird der Futon so nicht zu fest, denn aufgerichtete Baumwollfasern sorgen für eine weichere und gemütlichere Oberfläche.

Der Bezug aus Baumwolle, der das Futonbett schützt, lässt sich nicht abnehmen, dafür muss er nicht gewaschen werden. Natürlich kann man ihn auch selbst zusätzlich beziehen, sollte aber auf eine ausreichende Belüftung achten. Ein „moderner“ Futon mit einem Mix aus Materialien ist etwas pflegeleichter, lässt sich aber meist nicht mehr so gut zusammenrollen. Mit regelmäßigem Wenden und Lüften des Futons kann man hier nachhelfen.

Ein Futon ist für jeden etwas: Ob man minimalistischer und natürlicher leben, seinen Schlaf verbessern oder einfach etwas Neues ausprobieren möchte. Welche Zusammensetzung Ihnen persönlich am besten passt und gefällt, können Sie nur durch Probeliegen herausfinden. Also – ab auf den Futon und entspannen!

 

Oryoki - Japanische Deko