Akemashite omedetou – Frohes neues Jahr! Während bei uns Weihnachten das größte Fest des Winters ist, bereitet sich Japan im Dezember auf ein eigenes wichtiges Ereignis vor: Das japanische Neujahrsfest. Mit traditionellen Gerichten, symbolischer Dekoration und bunten Feierlichkeiten begrüßt man in Japan das neue Jahr.

 

Silvester in Japan - drei Tage im Kreis der Familie

Laute Partys und Silvesterknaller wird man in Japan am 31. Dezember nicht finden. Stattdessen gehen Japaner um Mitternacht zum nahegelegenen Schrein oder Tempel, um für ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr zu beten. Die ersten drei Tage des Jahres sind für die meisten Feiertage und geben die Möglichkeit, die Zeit gemeinsam mit Familie und Freunden zu verbringen.

Um diese Zeit optimal zu nutzen, spielt man in Japan gern Gesellschaftsspiele. Zu den Beliebtesten gehört Karuta: Ein altes Kartenspiel, bei dem es darum geht, vorgelesene Gedichtkarten entsprechenden Bild- oder Textkarten zuzuordnen. Wer zuerst die meisten Paare beisammen hat, gewinnt. Das ist komplexer, als es klingt, was man in den national ausgetragenen Karuta-Meisterschaften beobachten kann.

Beim Spiel Fukuwarai geht es darum, mit verbundenen Augen einem Gesicht Augen, Mund, Nase und Ohren anzubringen. Das führt zu lustigen Ergebnissen und die Gäste werden gern scherzhaft mit dem verzerrten Gesicht verglichen. Deshalb heißt der Name auch „glückliches Lachen“. Sugoroku ist ein Brettspiel, das „Mensch ärgere dich nicht“ sehr ähnlich ist, während Hanetsuki ähnlich wie Badminton funktioniert: Mit kunstvoll verzierten Holzschlägern muss der Federball so lange wie möglich in der Luft gehalten werden.

Japanisches Festmahl für Freunde und Familie

Warum nicht mal ein traditionelles, japanisches Abendessen mit typisch japanischen Utensilien?


Unterhaltsamer Start ins neue Jahr

Etwas, worauf viele Japaner am Neujahrsabend schon seit 65 Jahren nicht verzichten können, ist die NHK-Fernsehshow Kohaku Uta Gassen („Rot-weißer Gesangswettbewerb“). Darin treten zwei Teams von beliebten japanischen Sängern – das rote weibliche und das weiße männliche Team – gegeneinander an. Die Jury, die aus Prominenten besteht, wählt das Gewinnerteam. Aber auch sonst wird Oshogatsu gern musikalisch untermalt, vor allem mit Beethovens Neunter Symphonie: Eine lange Tradition hat sich etabliert, in der das Stück landesweit von unterschiedlichen Ensembles gespielt wird. Seitdem deutsche Kriegsgefangene im Ersten Weltkrieg sie in Japan eingeführt haben, gehört hier die berühmte Symphonie zu Silvester dazu.

Für Festtagsstimmung zum japanischen Neujahrsfest sorgen auch Trinkpartys, die man mit Freunden und Kollegen rund um den Jahreswechsel abhält. Ende Dezember feiert man als letzte Zusammenkunft des Jahres in Bars und Restaurants Bonenkai. Shinnenkai heißen die Feste, die dann im Januar organisiert werden, um das neue Jahr willkommen zu heißen.


Eine etwas andere Bescherung

Kinder können sich am japanischen Neujahrsfest besonders freuen: Denn sie bekommen Otoshidama, ein Geldgeschenk, von ihren Eltern, Verwandten, Familienfreunden und Nachbarn. Der Betrag richtet sich nach der Beziehung und dem Alter des Kindes: Durchschnittlich finden sich im Geldumschlag 5000 Yen, wobei ältere Kinder noch mehr bekommen können. Kleinkindern gibt man erst einmal Spielzeug statt Geld. Der Geldsegen hört nicht für alle mit dem Schulabschluss auf, denn etwa die Hälfte aller Studenten bekommen noch Otoshidama.

Die Erwachsenen erhalten dafür Neujahrskarten: Nengajo. Sie sind im Dezember in fast jedem Geschäft zu haben und meist mit dem chinesischen Tierkreiszeichen verziert, das im kommenden Jahr dran ist. Die Nengajo schickt man aber nicht nur an seine Liebsten, sondern auch an entfernte Verwandte, Freunde, Bekannte, Kollegen, Vorgesetzte, Lehrer und Ärzte – kurz, jeden, den man kennt. Mitunter verfasst ein Japaner Hunderte davon. Anders als bei Oseibo, Winter-Geschenken, ist dies aber heutzutage kein Muss mehr: Viele schicken Nengajo nur noch an wenige, wichtige Menschen. Damit die Postkarten pünktlich am 1. Januar ankommen, stellt die Post sogar für diese Zeit mehr Mitarbeiter ein – vor allem Studenten, die dort einen Teilzeitjob absolvieren.


Traditionelles Festmahl – Osechi

Das japanische Neujahrsessen mit seinen vielen Variationen und Bedeutungen wird meistens in Holzkisten mit dem Namen Jubako serviert. So stehen mit Seetang umwickelte Fische, Kobumaki, für Freude und Glück – denn das japanische Wort für Algen, Konbu, ähnelt Yorokobu, was „freudig sein“ bedeutet. Lotuswurzeln mit ihren vielen Löchern symbolisieren einen klaren Blick in die Zukunft, und Garnelen bedeuten ein langes Leben, weil sie mit ihrer krummen Form und ihrem Bart einer alten Person ähnlich sehen.

Soba, japanische Buchweizennudeln, sind in Japan nicht nur am 31. Dezember beliebt. Aber gerade dieses Gericht ist traditionell die letzte Mahlzeit im Jahr und wird dann Toshikoshi genannt. Abgesehen von dessen Symbolik – lange Nudeln für ein langes Leben – bedeutet es auch weniger Arbeit: Denn Soba ist schnell und einfach gekocht und lange haltbar, was besonders Hausfrauen im Neujahrsstress sehr begrüßen. Zudem verwendet man in Japan traditionell kein Feuer an Silvester, sodass die Speisen oft in den Tagen davor zubereitet werden. Übrigens: Wer seine Nudeln nicht vor Mitternacht aufgegessen hat, soll im neuen Jahr weniger Glück haben.

Ein anderes wichtiges Gericht, um das neue Jahr einzuläuten, sind Mochi – japanische Küchlein aus Klebreis, oft mit süßer Füllung. Während sie für gewöhnlich maschinell produziert werden, sind Oshogatsu-Mochi traditionell handgemacht. Man findet sie dann in Suppen, Desserts und Dekorationen. Ozoni heißt die Suppe auf Miso-Basis mit Fischbrühe (Dashi), Mochi und Wurzelgemüse, Ozenzai dagegen enthält neben Mochi noch rote Azuki-Bohnen.

Oshogatsu Mochi

japanischer Laden mit Neujahrsdekorationen und Küchlein (Mochi)

Kagami-Mochi („Spiegel-Reisküchlein“) sind traditionelle japanische Neujahrsdekorationen und bestehen aus einem kleinen Mochi, das auf einem größeren sitzt. Darauf wird noch eine kleine bittere Orange mit dem japanischen Namen Daidai gesetzt. Diese kann auch durch eine Mandarine ersetzt werden.

Die beiden Reisküchlein repräsentieren das jeweils alte und neue Jahr und stammen aus dem Shintoismus: Der Spiegel im Namen lehnt sich an die Ähnlichkeit zu alten Kupferspiegeln an, die die Shinto-Gottheiten, Kami, darstellen. Man stellt die Kagami-Mochi dann an unterschiedlichen Stellen im Haus auf, die für unterschiedliche Kami stehen. Für die, die ihre Kagami-Mochi nicht selbst machen möchten, sind sie lange vor Oshogatsu auch in den meisten Geschäften zu finden.

Am 11. Januar dürfen die Mochi dann endlich gegessen werden. Schneiden sollte man sie aber nicht, da dies für das Durchtrennen des Familienbundes steht: Man zerbricht sie stattdessen mit den Händen oder mit einem Hammer (Kagami Biraki) und kann sie zum Beispiel braten, rösten oder zahlreiche leckere Suppen damit kochen.


Alles, was Glück bringt

Im Shintoismus glaubt man, dass zu dieser Zeit die sogenannten Toshigami, Neujahrsgottheiten, das Haus besuchen. Sie werden daher vor der Haustür oder dem Shinto-Schrein mit sogenannten Kadomatsu begrüßt, drei Sprossen von Bambus, Kiefer oder Ume (Pflaumenbaum), die ähnlich zu Ikebana in unterschiedliche Längen geschnitten und auf einer Strohbasis arrangiert werden. Der Name bedeutet wörtlich „Tor-Kiefer“ und die drei Sprossen stehen jeweils für Wohlstand, Beständigkeit und ein langes Leben. Auch die Kagami-Mochi sind eine Gabe an die Toshigami und der Ursprung für die Otoshidama-Geldgeschenke an die Kinder. Das ist auch am Namen zu erkennen: Otoshidama kommt von Toshigami-sama, wie die Neujahrsgötter respektvoll genannt werden.

Bambus Kadomatsu

Bambus Kadomatsu

Im buddhistischen Tempel dagegen wird das neue Jahr mit 108 Glockenschlägen eingeläutet – einer für jede weltliche Leidenschaft im Buddhismus, von denen man sich lösen möchte. In manchen Tempeln können Besucher für mehr Glück im neuen Jahr selbst die Glocke läuten. Ebenso wichtig ist Hatsumode: Der erste Besuch eines Schreins oder Tempels im neuen Jahr, den man oft an einem der freien Tage erledigt.

An vielen großen und bekannten Plätzen wie dem Tokyo Tower oder dem Hafen in Yokohama kann man an Silvester ein großes Feuerwerk bewundern, nachdem man den Countdown bis Mitternacht gezählt hat. An Orten mit schöner Aussicht, Bergen oder Stränden, versammeln sich Menschen, um den ersten Sonnenaufgang des Jahres mitzuerleben: Hatsuhinode. Ein Gebet vor der aufgehenden Sonne soll ein glückliches Jahr bedeuten.

Wir wünschen auch Ihnen ein frohes und gesundes neues Jahr 2017!



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