Ein wärmender Traum aus Miso, Brühe, Tofu und Algen. Mehr braucht es nicht, um die unverwechselbare japanische Suppe zu kreieren, die zu (fast) jedem Gericht passt. Aber wenn Sie denken, es gäbe nur die eine Miso-Suppe, dann liegen Sie falsch.

 

Ein Geheimnis der japanischen Gesundheit

Als Vorspeise zu Sushi ist uns die Misosuppe, japanisch 味噌汁Miso-Shiru, längst aus den Restaurants bekannt. Japaner schlürfen sie zu fast jedem Gericht. Das ist kein Wunder, wenn man sich vor Augen führt, wie gesund sie ist: Wakame-Algen liefern wertvolle Vitamine, Mineralstoffe, Jod und Fettsäuren, der Tofu sorgt für den Proteinschub und zahlreiche Gemüsesorten können den Genuss bereichern. Leicht und bekömmlich, ist sie eine Wohltat für die Verdauung, Fettverbrennung und Hautgesundheit.

Miso-Suppe mit Wakame-Algen

Durch die unkomplizierten Zutaten und schnellen Rezepte ist die Spezialität außerdem schnell gekocht. Wem aber auch dazu die Zeit fehlt, der hat mit diversen Varianten von Instant-Misosuppen die Möglichkeit, diese mit minimalem Aufwand zu Hause zuzubereiten.

Miso-Suppe eignet sich hervorragend als nahrhafter Snack für zwischendurch oder als Appetizer für diverse Gerichte. In Japan gehört sie selbstverständlich zum Menü zusammen mit Tempura, Sushi oder Curry-Reis – und sogar auf den Frühstückstisch. So hat sie sich in den täglichen Speiseplan und das Herz eines jeden Japaners gemausert. Misosuppe ist im Trend, und das nicht nur als Nebengericht: Auch ganze Restaurants und Bars haben sich einer reichen Palette an Miso-Kreationen und sogar passenden Getränken verschrieben.

 

Mit Miso macht man nichts falsch

Die wichtigste Zutat in der Suppe, Miso, besteht aus fermentierten Sojabohnen und japanischem Reis, manchmal gibt es sie auch stattdessen mit Gerste oder anderem Getreide. Im Prinzip findet man heute Miso aus jeder Getreideart. „Fermentiert“ klingt erst einmal verdächtig, aber ähnlich wie bei Joghurt oder Sauerkraut sind auch hier Milchsäurebakterien am Werk, die viel zu unserem Stoffwechsel beitragen. Ganz nebenbei liefert dieser Vorgang leicht verdauliches Protein, zahlreiche Ballaststoffe und ein charakteristisches, kräftiges Umami. Miso ist also nicht nur Namensgeber, sondern auch Geschmacksträger dieses Gerichts. Wem der charakteristische, würzige Geschmack zusagt, wird die Suppe lieben – er kann aber auch durch kleinere Mengen Miso oder kräftige Zutaten neutralisiert werden.

Miso-Suppe - Die wichtigsten Zutaten

Die aromatische Paste kommt eigentlich aus China und wurde früher in Japan wie ein Lutscher verzehrt, bevor es später in die Suppen und andere Gerichte gelangte. Die gemahlene Variante ist relativ modern, während die Sojabohnen früher im ganzen Stück zugefügt wurden – ähnlich wie beim berüchtigten Natto. Heute gibt es diverse Arten: Die einfachste ist das weiße Shiro Miso. Aka Miso dagegen ist rot und um einiges gröber gemahlen, die Mischung aus beidem heißt Awase Miso. Genauso findet man auch schwarze, scharfe und süße Sorten. Misosuppe wird vor allem mit der ersten, hellen Variante gewürzt. Je pikanter das Rezept jedoch ist, desto besser unterstreicht eine dunklere Sorte den Geschmack.

Als Grundlage für die Suppe wird gern die allgegenwärtige Dashi-Fischbrühe genommen, oder auch Brühe auf der Basis von Gemüse. Ergänzt wird die Spezialität meistens durch Wakame, klein gewürfelten Tofu und Frühlingszwiebeln.

 

Besteck-Set, perfekt für Miso-Suppe

Japanisches Besteck-Set mit Essstäbchen & Löffel: Japanisches Besteck-Set Yokina asa, Ebenholz

 

Rezepte für Samurai

Schon für die Krieger in der Kamakura-Periode (1185 – 1333) war Instant-Misosuppe als Proviant sehr beliebt. Sie wurde zuerst aus einer Taro-Wurzel hergestellt, die mit Miso aufgekocht, getrocknet und bei Bedarf in kochendes Wasser geschnitten wurde. Dieses Ur-Rezept nannte man Imogara-nawa.

Miso-Suppe war jedoch zuerst dem Hof und den Samurai vorbehalten, bis auch einfache Bauern in der darauffolgenden Muromachi-Zeit (1336 – 1573) gelernt hatten, ihre eigenen Rezepte zu kochen. Sicher ist auch, dass die namensgebende Paste schon seit dem 7. Jahrhundert in Japan eine Rolle spielt. Miso-Suppe ist unter anderem als Vorstufe zu verschiedenen Spezialitäten zu verstehen: Auch eine Sorte des beliebten Ramen basiert darauf, genau wie fondue-ähnliches Nabemono oder diverse Fischsuppen.

Später spaltete sich die Misosuppe in die bescheidene Arbeiterklasse-Version und die hochwertige Kaufmannssorte ab. So fand sie ihren Weg in alle Lebensbereiche ihres Ursprungslandes – und danach auch in die ganze Welt.

Natürlich haben auch hier jede Region und jeder Miso-Koch in Japan ein eigenes Rezept für den Klassiker:

  • Jagaimo Miso-Shiru: Zum Tofu kommen noch Kartoffeln in die Brühe
  • Kabocha Miso-Shiru: Hokkaido-Kürbis ergänzt in dieser herbstlichen Variante die Miso-Suppe
  • Hourensou Miso-Shiru: Hier findet man Spinat statt Wakame-Algen
  • Aburaage Miso-Shiru: Der Tofu wird vorher frittiert und intensiviert den Geschmack
  • Weitere mögliche Zutaten sind Enoki-Pilze, Süßkartoffeln, Mais, Mochi-Reisküchlein, Möhren, Auberginen, weißer Daikon-Rettich, Muscheln, Meeresfrüchte und vieles mehr.

 

Misosuppe kochen ist kreativ

Statt die immer gleichen Rezepte der Sushi-Restaurants zu kosten, probieren Sie doch Ihre eigene Version der Miso-Shiru aus.

Zutaten für 2 Portionen:

  • 600 ml Dashi oder Gemüsebrühe (mit Bonito-Flocken oder Kombu-Algen können Sie die Brühe auch selbst zubereiten: Mit etwa 2 TL auf 600ml Wasser)
  • 2 EL weiße (Shiro) Miso-Paste
  • 120 g weißes Natur- oder Seiden-Tofu
  • 10 g getrocknete Wakame-Algen
  • 2 Frühlingszwiebeln
  • Nach Belieben: Champignons oder Enoki-Pilze und diverse andere gewünschte Zutaten
  • Etwas geröstete Sesamsamen zum Garnieren

Die Zubereitung ist sehr einfach. Zuerst legen Sie die Wakame-Algen in lauwarmem Wasser für etwa 10 Minuten ein, bis diese aufgeweicht sind. Mit einem scharfen Messer zerkleinern Sie die Algen dann in mundgerechte Stücke. Schneiden Sie dann das Tofu in kleine Würfel und die Frühlingszwiebeln in kleine Ringe. Falls Sie Pilze verwenden, putzen, waschen und zerkleinern Sie diese ebenfalls. Bereiten Sie anschließend die anderen Zutaten entsprechend vor.

Kochen Sie die Brühe zunächst in einem Topf auf. Reduzieren Sie dann die Hitze und geben die Misopaste dazu. Warten Sie, bis sich diese vollständig aufgelöst hat, dann kommen die anderen Zutaten, bis auf die Frühlingszwiebeln, hinein. Letztere geben Sie erst nach etwa 5 Minuten Köcheln in den Topf – und die Suppe ist im Handumdrehen fertig. Vorsicht: Wenn Sie das Ganze zu lange erhitzen, können wertvolle Inhaltsstoffe und Bakterien ihre Wirkung verlieren.

 

Leckeres Ritual für jeden Tag

Miso-Suppe - ein leckeres Ritual für jeden Tag

Füllen Sie Ihre Miso-Suppe in kleine Schalen ab. Für das authentische Erlebnis essen Sie die Zutaten zunächst mit Stäbchen, bevor Sie die leckere Brühe austrinken. Schlürfen erlaubt!

 

Passende Suppenschalen für einen leckeren Miso Genuss

Japanische Suppenschalen: Suppenschale, Reisschale Koten chairo

 

Zum klassischen Rezept können Sie natürlich auch Zutaten ihrer Wahl hinzufügen: Fleisch, Garnelen, Zwiebeln, Chinakohl, Kartoffeln und viel mehr. Je nach Jahreszeit können Sie damit einen herzhaft-winterlichen Eintopf oder eine erfrischend-sommerliche Version aus diesem beliebten Rezept kreieren.

Miso-Suppe eignet sich als Beilage zum Sushi, Sashimi, Reis oder jedem anderen asiatischen Gericht, oder als leichte Köstlichkeit an kalten Winterabenden. Probieren Sie doch mal ein Menü nach japanischem Prinzip aus: Eine Schüssel Miso-Suppe, eine Schüssel Reis, eine kleine Portion Fleisch oder Fisch und dazu Gemüse wie Spinat mit Sesam-Dressing oder eingelegte Pflaumen.

Oder warum nicht auch ein leichtes Frühstück daraus machen und mit gesunder Energie in den Tag starten, wie es in Japan üblich ist? Nahrhaft, balanciert und wohltuend, bietet die japanische Küche Ideen für jeden Geschmack.

 

 

Oryoki - Japanische Suppenschalen