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Die japanische Shakuhachi Flöte, traditionell gefertigt aus einem Bambusrohr, blickt bereits auf eine lange Geschichte zurück. Das Instrument wurde ursprünglich zur Untermalung von Meditationen und klassischer Musik hergestellt. Ihre außergewöhnliche Klangweite führte dazu, dass sie heutzutage Verwendung in unterschiedlichen Genres, wie z.B. Crossover, neuer Musik und der Volksmusik findet. Die japanische Shakuhachi ist dabei mehr als nur ein Instrument, denn mit ihren vielfältigen, musikalischen Möglichkeiten und ihrer spirituellen Kraft regt sie Musiker ebenso zur Inspiration an, wie ihre Zuhörer. Damals wie heute ist sie bekannt als „geistiges Werkzeug“ und fördert die Beschäftigung mit dem eigenen Atem, der inneren Einkehr und dem Kennenlernen neuer Spieltechniken.

 

Wo hat die Shakuhachi ihren Ursprung?

Bis heute gehört die Shakuhachi zu den populärsten und bekanntesten asiatischen Musikinstrumenten, deren Geschichte bereits im 8. Jahrhundert beginnt und ihren Ursprung in der chinesischen Xiao Flöte findet. Aufgrund ihres leisen Tons verschwand die Flöte im 11. Jahrhundert allerdings fast vollständig und erst im 17. Jahrhundert (Edo-Zeit) erlebte sie durch die Bettelmönche der Fuke-Bewegung und dem damit verbundenen Zen-Buddhismus eine Renaissance. Denn diese besagten Mönche der Fuke-Sekte nutzten sie zu meditativen Zwecken, um den Weg zur inneren Erleuchtung zu finden und prägten die Shakuhachi damit bis ins 19. Jahrhundert hinein.

Dies geschah hauptsächlich dadurch, dass die Flöte innerhalb der Sekte nur unter bestimmten Bedingungen gespielt und auch gehört werden durfte. So bekam sie einen entsprechend hohen Stellenwert und wurde nicht mehr nur als Instrument wahrgenommen, sondern vielmehr als religiöses Werkzeug betrachtet. Die daraus entstandenen Stücke werden als Honkyoku bezeichnet und gelten bis heute als populärste, musikalische Tradi-tion der Shakuhachi.

 

Fun Fact: Die Fuke-Mönche trugen Körbe, ähnlich eines Bienenkorbs auf ihren Köpfen, um nicht erkannt zu werden.

Mönche der Fuke-Sekte Bildnachweise: Autor: sprklg | Flickr | License

Japaner spielt die Shakuhachi Bildnachweise: Autor: Joi Ito | Flickr | License

Im Zuge der Meiji-Restauration (um 1900) kam es zu einem Verbot der Fuke-Sekte und somit war auch das Spielen der Flöte zu religiosen Zwecken verboten. Aus diesem Grund setzten sich Lehrer dieser Musikkunst für eine sogenannte Säkularisierung ein, also der Aufhebung des rein religiösen Zweckes der Shakuhachi, um sich ihren Lebensunterhalt zu sichern. Dadurch fand die Shakuhachi zusammen mit der Koto (Zither) und der Shamisen (Laute) auch einen Weg in die Musikkultur des kaiserlichen Hofes.

Es gibt unterschiedliche Schulen, die das Spielen der Shakuhachi lehren, die drei bekanntesten sind:

  • Kinko-Ryū: bis heute gilt diese Schule als die wichtigste Lernstätte, da sie vor allem die traditionellen Shakuhachi-Stücke lehrt.
  • Tozan-Ryū: lässt im Gegensatz zur Kinko-Ryū bereits Einflüsse von westlicher Musik erkennen.
  • Myoan-Ryū: führt die Stücke der früheren Fuke-Sekte fort.

Bis heute ist die spirituelle Musik, die die Shakuhachi verkörpert, nicht gealtert. Shakuhachi-Spieler bereichern Orchesterkonzerte, die Avantgarde-Szene und viele weitere Performances und Konzerte in Japan.

 

Die Verarbeitung der Shakuhachi

In der Regel besteht eine original japanische Shakuhachi aus Bambus, besitzt insgesamt fünf Grifflöcher - vier oben und eines unten für den Daumen - und brilliert durch ihre Vielfältigkeit an musikalischen Möglichkeiten. Ihre Herstellung ist äußerst komplex und sehr aufwändig. Der Bambus, aus dem die Flöte gefertigt ist, muss erst mehrere Jahre getrocknet werden und sollte zudem korrekte Maße, wie Länge und Durchmesser besitzen. Von innen wird das Instrument meist durch mehrere Schichten Urushilack vor Feuchtigkeit geschützt, welcher auch zum speziellen Klang beiträgt.

Die Bauweise der Shakuhachi

Die typische Anblaskante (歌口 utaguchi) erfordert viel Geduld und Ruhe vom Musizierenden, denn jede musikalische Weiterentwicklung wird sofort hörbar in den Klängen. Zusätzlich ist diese noch mit einem Metalleinsatz, manchmal auch Kunststoffeinsatz, versehen, der die Lebensdauer der Flöte erhöht.

Übrigens leitet sich der Name „Shakuhachi“ aus einem alten japanischen Längenmaß ab. Ein „Shaku“ ist ca. ein Fuss, „Hachi“ bedeutet acht und ist auf die Maßeinheit „Sun“ bezogen. Somit ergibt sich umgerechnet eine Länge von ungefähr 54,5 cm.

Die Shakuhachis aus Holz klingen im Vergleich zu den Modellen aus Bambus wesentlich weicher, während die traditionellen Flöten aus Bambus eher perlig klingen.

 

So wird die Shakuhachi gespielt

Aufgrund ihres sanften Tons und Klangs wird sie sehr gerne auf verschiedenen Konzerten in Japan gespielt. Doch das Spielen erfordert viel Übung des Musikers, denn die Shakuhachi lässt nur dann Töne erklingen, wenn der Luftstrom genau das „Utaguchi“, also die Anblaskerbe, trifft. Viele Hörer fühlen sich in eine harmonische Stimmung versetzt, sobald die Shakuhachi ihre pentatonische (Fünfton-Musik) Wirkung entfacht. Die Shakuhachi wird auch heute noch gerne als Instrument zur inneren Einkehr und Meditation genutzt. Auch die Herstellung einer Shakuhachi gleicht einer meditativen Erfahrung, denn sowohl die Verarbeitung aus Holz als auch aus Bambusröhren braucht viel Zeit und Liebe zum Detail.

 

Die Shakuhachi Flöte und ihre Vielseitigkeit

Die Shakuhachi Flöte und ihre Vielseitigkeit

Aus der Familie der Kerbflöten stammend, wird die japanische Bambusflöte über ihre Anblaskante am oberen Rand des Rohres zum Klingen gebracht. Dabei spielen sowohl die Kopfhaltung (meri-kari), der Blasdruck, als auch das Decken und Öffnen der fünf Grifflöcher beim Spielen eine entscheidende Rolle. So lassen sich mit der Shakuhachi über drei Oktaven unterschiedlichster Klänge spielen. Eigentlich ist das Spielen von halben Tönen auf dieser Flöte nicht möglich, da sie pentatonisch gestimmt ist. Dennoch kann das Erlernen von besonderen Spieltechniken durch einen erfahrenen Shakuhachi-Spieler zu einem Anspielen von „meri“ und „kari“, also halben Tonlagen, führen. Bei der Komposition und dem Spielen von Musikstücken wird in Japan ein besonderer Fokus auf das Heraushören der jeweiligen Klangfarbe gelegt.

 

Was kostet die japanische Bambusflöte?

Abhängig von ihrer Beschaffenheit, dem benötigten Zeitaufwand und der Qualität kann die japanische Flöte aus Bambus zwischen 300 und 5000 EUR kosten. Ihr hoher Preis ergibt sich aus der Einzigartigkeit jeder einzelnen Bambusröhre, aus der sie gefertigt wird.

Mittlerweile gibt es jedoch auch günstige Varianten aus PVC oder Kunststoff für 100 bis 200 EUR zu kaufen. Shakuhachi Modelle aus Holz liegen preislich irgendwo zwischen Bambus und Kunststof

 

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