Zusammen kochen macht glücklich

Essen ist in Japan meistens vor allem eines: Gesellig. Und manchmal interaktiv. Wenn Familie, Freunde und Kollegen zusammenkommen, wird selten fertiges Essen serviert, sondern selbst gemacht. Ähnlich wie bei Sukiyaki, Shabu Shabu oder unserem Fondue bekommt auch bei Okonomiyaki jeder die Zutaten, muss sich sein Gericht aber noch zubereiten. Was nach viel Arbeit klingt, sorgt tatsächlich für Spaß und Gesprächsstoff.

Welche Zutaten sind das? Die Basis bei diesen japanischen Gemüse-Pfannkuchen besteht meistens aus Wasser oder Brühe, Ei, Kohl, Frühlingszwiebeln, Mehl und manchmal Tempura-Panade. Dies kommt in eine Schüssel und muss zuerst gut vermischt werden. Dann geht es an die Zubereitung. In einem Okonomiyaki-Restaurant gibt es in der Mitte des Tisches eine Kochplatte, auf der die Pfannkuchen gebraten werden. Was noch alles dort rein kommt, steht dem Kunden frei. Ganz im Sinn des Namens: Denn Okonomi bedeutet grob übersetzt "was du willst", und Yaki schlicht "braten". Braten Sie also nach Ihrem Geschmack: Gemüse, Nudeln, Meeresfrüchte, Fleisch und mehr.

Wenn man sich die Arbeit im Restaurant sparen möchte, gibt es auch die Möglichkeit, fertige Okonomiyaki zu bestellen. Sie werden entweder direkt vor Ihnen auf dem eigenen Tisch gekocht oder in der Küche. Alles hängt vom Restaurant ab - und jedes bietet seine eigenen Spezialitäten. Auf japanischen Straßenfestivals kann man sich die leckeren dampfenden Pfannkuchen auch zum Mitnehmen holen.

Okonomiyaki bei japanischen Straßenfestivals

 Bildnachweise: Autor: Jorge GonzalezFlickr | License


Wo der besondere Geschmack herkommt

Wie bei jedem japanischen Rezept gibt es auch hier regionale Unterschiede. Die bekanntesten Okonomiyaki kommen aus der Kansai-Region um Kyoto und Osaka, und in Hiroshima nimmt man gern Yakisoba (gebratene Nudeln aus Buchweizen) als erste Schicht. Außerdem werden hier die Zutaten geschichtet statt gemischt.

Okonomiyaki mit gebratene Nudeln

Bildnachweise: Autor: jmettrauxFlickr | License


Okonomiyaki, wie wir sie heute kennen und lieben, gibt es erst seit den 30ern. Der Ursprung liegt in japanischen Crêpe-ähnlichen Rezepten. Insbesondere in Hiroshima hat man sie mit Bonito-Fischflocken (Katsuobushi), Frühlingszwiebeln und Kombu-Seealgen belegt und zum Snacken gefaltet. Im Zweiten Weltkrieg, als Reis in Japan knapp wurde, waren die Pfannkuchen eine nahrhafte Alternative. Während Mehl zuerst der Hauptbestandteil war, kamen später noch Gemüse, Ei und Fleisch hinzu.

Okonomiyaki Zutaten

Bildnachweise: Autor: pittayaFlickr | License

Es gibt noch unterschiedliche Abwandlungen dieses Gerichts: Negiyaki etwa verwenden nur Frühlingszwiebeln statt Kohl. In Tokyo kennt man Monjayaki: Hier werden die Zutaten zuerst in einem Ring gebraten. Der Teig kommt in die Mitte und alles zusammen wird direkt von der heißen Platte mithilfe eines Spatels gegessen. Kleine Verwandte sind Takoyaki, Bällchen aus Teig und Oktopus, die ähnlich wie Okonomiyaki mit Sauce, Mayonnaise und Katsuobushi genossen werden.

 

Okonomiyaki richtig essen

Am liebsten geht man in Japan zusammen mit Freunden Okonomiyaki dort essen, wo man sie selbst zubereitet. Gemeinsam ist es am leckersten und macht auch am meisten Spaß. Und das geht so:

Jeder bestellt seine Lieblingsvariante, manchmal wird sich auch auf eine geeinigt. Der Kellner schaltet die Eisenplatte in der Mitte des Tisches an. Diese ist heiß genug, sobald jeder Gast eine Schüssel mit dem Okonomiyaki-Teig bekommt. Mit einem zugehörigen Löffel wird der Inhalt noch kräftig gemischt. Die Gruppe muss noch Öl auf der heißen Platte verteilen, das für die Kunden zur Verfügung steht. Anschließend wird der Teig darauf ausgebreitet. Hier sollte man beachten: Nicht jeder macht seine eigenen Pfannkuchen, sondern einen großen Fladen, der geteilt wird. Je nach Größe der Gruppe sind es in der Regel zwei pro Tisch. Es sollte nach Möglichkeit die ganze Schüssel verbraucht werden, sodass der Teig ein bisschen dicker wird. Obenauf kommen Toppings wie zum Beispiel Speck, Oktopus, Shrimps oder Streifen aus Rindfleisch. Ein "Freiwilliger" wendet die Okonomiyaki nach einiger Zeit.

Auf dem Tisch stehen außerdem auch Okonomiyaki-Sauce, japanische Mayonnaise und getrocknete Bonito-Flocken bereit. Diese Extras sind unverzichtbar für den authentischen Genuss: Zuerst kommt die Sauce auf das Okonomiyaki, dann die Mayonnaise. Wer es mag, kann den japanischen Pfannkuchen mit Bonito bestreuen. Dadurch, dass sie in der Hitze zusammenschrumpeln, bieten sie einen zusätzlichen visuellen Effekt. Manchmal kommen darauf auch Flocken aus sogenannten Aonori (grünem getrocknetem Seetang). Einer schneidet die Okonomiyaki mit einem Spatel, das auf dem Tisch bereitliegt. Dann werden die Stücke gerecht an die Esser verteilt.

Mit einem kleinen Spatel, das man normalerweise neben dem Teller findet, zerteilt jeder sein Stück. Und nun kommen die Stäbchen zum Einsatz. Wer noch nicht satt ist, kann immer nachbestellen.

Okonomiyaki selber zubereiten

 Bildnachweise: Autor: M_03&07 | Flickr | License


Japanische Pfannkuchen selbst machen

Durch die Vielfalt an Zutaten und Varianten kann jeder auch zu Hause mit Okonomiyaki kreativ werden. Ein grundlegendes Rezept für Pfannkuchen im Kansai-Stil finden Sie hier:

Zutaten für ein großes Okonomiyaki:

  • Etwas neutrales Pflanzenöl (z. B. Rapsöl)
  • 110 g Okonomiyaki-Mehl (oder Weizenmehl)
  • 1/2 Kopf Weißkohl, in kleine Streifen geschnitten
  • 1/2 Bund Frühlingszwiebeln (oder mehr nach Geschmack)
  • 120 ml Dashi-Fischbrühe, dünne Gemüsebrühe oder Wasser
  • 2 Eier
  • Mais (nach Belieben)
  • Toppings nach Geschmack: z. B. Pilze, Bambussprossen, eingelegter Ingwer, geriebener Käse, rohe Shrimps, Rinderfilet, Speckstreifen, ...
  • Etwas Bonitoflocken (nach Belieben)
  • Etwas Aonori- oder andere Algenflocken (hierzu können Sie auch Algenblätter zerkleinern)
  • Okonomiyaki-Sauce und japanische Mayonnaise (mehr dazu weiter unten).

 

Man kann die Okonomiyaki in der Pfanne braten, oder auch auf einer portablen Herdplatte direkt auf dem Tisch garen. In jedem Fall geben Sie Mehl, Kohl, Frühlingszwiebeln, Brühe und eventuell Mais in eine Schüssel und schlagen die Eier hinein, bevor Sie alles gut vermischen. Sie können und sollten die Mengen nach Gefühl anpassen: Der Teig darf nicht zu trocken und nicht zu flüssig werden. Verteilen Sie etwas Pflanzenöl auf die Pfanne oder Kochplatte und geben Sie jeweils die Hälfte des Teigs darauf (je nach Platz entweder nacheinander oder gleichzeitig). Dann legen Sie Ihre Lieblingstoppings, abgesehen von den Bonito-Flocken, auf den Fladen. Sobald es unten fest genug ist, wenden Sie das Okonomiyaki und garen es ebenso von der anderen Seite.

Jetzt fehlen nur noch die Saucen. Japanische Mayonnaise gibt es in vielen Asia-Shops, genauso wie Okonomiyaki-Sauce (zum Beispiel die Okonomi Sauce von Otafuku). Die dunkle Okonomiyaki-Sauce wird in leicht anderen Versionen auch für Yakisoba und Tonkatsu (japanisches Schnitzel) verwendet. Sie passt auch beispielsweise gut zu gebratenem Gemüse, Reis und weißem Fleisch sowie Shrimps. Beide Saucen kann man auch ganz leicht selbst nachkochen.

Aus normaler Mayonnaise machen Sie die japanische Variante, indem Sie pro Glas 2 EL Reisessig und 1 EL Zucker hinzufügen. Der Unterschied zu normaler Mayonnaise ist im Original das reiche Eigelb-Aroma, das zu Hause nicht so leicht imitiert werden kann. Außerdem wird sie im Handel in speziellen Tuben angeboten, mit denen sich die Okonomiyaki leicht und ansprechend verzieren lassen.

Für Okonomiyaki-Sauce können Sie einfach 4 EL Tomaten-Sauce, 3,5 EL Worcestershire-Sauce, 1 EL Sojasauce, 1 EL Austernsauce (oder alternativ noch einmal Sojasauce), 1/2 TL Sesamöl und 2 EL (Kristall-)Zucker oder 3 EL Honig zusammen in einer kleinen Schüssel schlagen.

Zum Schluss am besten die Okonomiyaki mithilfe eines Pinsels mit der Sauce bestreichen, dann Mayonnaise in kleinen Fäden darüber geben. Zum Schluss kommen noch Bonito und Seetang nach Geschmack darauf. Schon können Sie Ihr japanisches Mahl servieren!


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