Flauschiges Fell, eingerollter Schwanz und spitze Ohren: nicht nur das haben japanische Hunderassen gemeinsam. Trotzdem ist jede Rasse unterschiedlich und hat ihre eigene Geschichte zu erzählen. Wir erzählen, wie man sie unterscheidet und welche am besten zu Ihnen passt.

 

Die wahre Legende von Hachiko

Japanische Hunderassen werden Nihon Ken 日本犬 genannt. Das letzte Kanji-Schriftzeichen kann auch Inu gelesen werden, was „Hund“ bedeutet. Abgesehen von ihrem Äußeren erkennt man japanische Hunde vor allem an ihrem unabhängigen und stolzen Wesen, was sie reserviert gegenüber Fremden macht. Doch umso mehr hängen sie an ihren Familien – und das hat sie erst berühmt gemacht.

Das wohl bekannteste Haustier aus Japan heißt Hachiko. Wer kennt nicht die Geschichte über den treuen Hund, der jeden Tag auf sein Herrchen am Bahnhof wartete, das nicht mehr zurückkam? Spätestens seit diese mit Richard Gere in der Hauptrolle verfilmt wurde, leiden wir mit und bewundern die Treue dieses Rüden. Währenddessen hatten Japaner ihm lange zuvor ein Denkmal gesetzt: in Tokyo, an der belebtesten Kreuzung der Welt am Bahnhof Shibuya, sitzt Hachiko in seiner aufmerksamen Position seit 1948. Er ist nicht nur eine fotogene Touristenattraktion, sondern auch ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Besucher. Abgesehen vom 2009 erschienenen „Hachiko – eine wunderbare Freundschaft“ und dem japanischen Original von 1987 gibt es viele weitere Filme, Bücher und andere Memorabilia – sogar einen Bus! – zu Ehren des kultigen Hundes.

Was für ein Hund war Hachiko eigentlich? Es handelte sich um einen Akita Inu. Der Hund selbst kam aus Odate, einer Stadt in der nördlichen, japanischen Präfektur Akita. Dort wartete er jeden Abend am Bahnhof auf seinen Besitzer, einen Universitätsprofessor, wenn er von der Arbeit zurückkam. Als dieser jedoch eines Tages am Arbeitsplatz verstarb, gab Hachiko trotzdem nicht auf. Fast zehn Jahre lief er jeden Tag zur Station, in der Hoffnung, er würde sein Herrchen wiedersehen. Ursprünglich wurde Hachiko schon 1934 ein Denkmal aus Bronze gesetzt, das jedoch später zu Kriegszwecken verarbeitet und später wiederhergestellt wurde. Als die originale Statue gebaut wurde, lebte Hachiko jedoch noch und war sogar bei der Eröffnung dabei.

Passend dazu steht in seiner Heimatstadt Odate das Akita Inu Museum mit einer weiteren Hachiko-Statue am Eingang. Dort kann man mehr über die Geschichte dieser faszinierenden Hunderasse erfahren. Akitas waren früher Adeligen und hochrangigen Samurai vorbehalten. Sie wurden von ihnen als Jagdhunde und für den persönlichen Schutz ihrer Menschen eingesetzt. Wahrscheinlich ging ihnen dieses hohe Ansehen ins Blut über: abgesehen von seiner Treue zum Herrchen ist der Akita stolz, unabhängig und stur.

 

Beliebtester Japaner auf vier Beinen

Japanische Hunderasse - Shiba Inu

Akitas lassen sich zuerst leicht mit dem Shiba Inu verwechseln. Beide sind Vertreter der asiatischen Spitze und haben ein rundes, weiches Gesicht und oft helles rotes, braunes oder weißes Fell.
Interessante Färbungen wie rot-sesam oder schwarz-sesam sind möglich, auch rot-falbfarbene Hunde findet man. Der Shiba Inu ist jedoch deutlich kleiner: während Rüden der Hunderasse Akita mit über 60 cm Schulterhöhe aufwarten, sind Shiba Inus nur etwa halb so groß. Als älteste Hunderasse Japans war der Shiba Inu ursprünglich ein Arbeitshund und wurde zur Jagd auf kleines Wild, Rehe und Wildschweine gezüchtet.

Heute ist er der beliebteste Hund Japans. Sein liebenswertes Wesen und die großen Kulleraugen sind sicher nicht ganz unschuldig daran. Außerdem hat dieser Hund noch eine Besonderheit: den „Shiba-Schrei“. Wenn ihm etwas nicht gefällt, ihn aufregt oder wenn er sich im Gegenteil sehr freut, dann stößt der Hund einen schrillen Schrei aus. Das kann ebenso passieren, wenn der Besitzer nach Hause kommt, wie auch bei der Pflege oder beim Tierarzt: nichts hasst der eigenwillige Shiba Inu mehr, als gegen seinen Willen von anderen angefasst zu werden. Wenn das kein Charakter ist!

Sein Bruder aus dem Norden ist der Hokkaido Ken, ebenfalls ein japanischer Spitz. Da er der Hund der Ainu war, der Ureinwohner Japans auf der nördlichen Insel, ist er wie der Husky strenge Winter gewohnt. Nicht nur das dichte Fell und die kräftige Statur mit einer Schulterhöhe von etwa 50 cm, auch sein Mut erleichterten ihm das Überleben bei der Jagd auf Hirsche und sogar Bären. Vermutlich stammen die Hokkaido-Hunde vom selben Vorfahren ab wie der chinesische Shar Pei und der Chow-Chow – das erkennt man an den schwarzen Flecken an ihrer Zunge. In ihrer Familie brauchen sie eine klare Hierachie und wollen sich gerne durchsetzen. Daher ist ein Zusammenleben mit Kindern nicht so einfach, wenn sie nicht als Welpe bereits mit ihnen aufgewachsen sind. Auch andere Haustiere müssen sie von Beginn an kennenlernen – sonst nehmen sie diese als Beute wahr!

Japanische Hunderasse - Hokkaido Ken

Sein größerer Verwandter, der Kishu Ken, sieht ihm mit dem dichten Pelz und starken Körper ähnlich. Der äußerliche Unterschied liegt im schmaleren Gesicht und meist weißen Fell. Er ist außerdem besser mit jüngeren Familienmitgliedern verträglich. Trotzdem braucht der Kishu eine starke Bezugsperson, der er lange Zeit treu sein wird. Dabei sucht er sich genau aus, wem er vertraut und welchen Befehlen er gehorcht – eine sehr schlaue Rasse. Als aufmerksamer Wachhund und kälteresistentes Tier eignet er sich gut als Beschützer von Haus und Hof.

Japanische Hunderasse - Kishu Ken

 

Die Außenseiter unter den japanischen Hunderassen

Nicht alle Hunde aus Japan gehören mit ihren Rasse-Merkmalen zum Typ japanischer Spitz. Ausnahmen bilden der japanische Chin, der japanische Terrier und der Tosa. Alle drei sind, selbst in Japan, eher selten und gehören auch nicht zum nationalen Naturdenkmal wie die anderen Rassen. Welche Rassen dazugehören und geschützt werden, bestimmt das Nihon Ken Hozonkai – die „Assoziation zur Bewahrung des japanischen Hundes“. Es gibt jedoch viele Gründe, warum diese Rassen trotzdem liebens- und erhaltenswert sind.

Auch der japanische Chin gehörte, wie der Akita, zu den Adeligen – jedoch eher als Schoßhund. Sein Name lässt vermuten, dass er ursprünglich aus China kommt, aber seine Herkunft ist nicht genau bekannt. Vielmehr weiß man, dass er einmal als Geschenk für die Kaiserfamilie gedacht war. Anders als die anderen Hunde erfüllte der Chin nur eine „Funktion“: süß aussehen. Sein lustiges, schielendes Gesicht mit der kurzen Schnauze und den riesigen Ohren ist wie das eines Pekinesen, sein reinliches und unabhängiges Verhalten eher wie das einer Katze. Aber auch andere Hunderassen aus Japan sind sehr sauber und pflegeleicht und sogar dafür bekannt, sich wie Katzen manchmal selbst zu putzen. Der kleinste der japanischen Hunde – nur etwa 20 cm hoch – ist eher ruhig und braucht nicht sehr viel Platz und Auslauf. Ein Handtaschenhund möchte er jedoch auch nicht sein, denn der Japan-Chin hat durchaus seinen eigenen Kopf.

Der japanische Terrier sieht wiederum ganz anders aus als seine „Landsleute“: ein eleganter, schlanker und kleiner Hund mit kurzem Fell, der sehr aufgeweckt ist und die Nähe zu seiner Familie schätzt. Mit seinen 20 bis 30 cm Schulterhöhe ist er nicht viel größer als der japanische Chin. Meist ist er überwiegend weiß mit einem schwarzen Kopf. Abgesehen von seinem Hang zur Verspieltheit, was ihn zu einem tollen Spielkameraden für Kinder macht, ist er gehorsam und freundlich. Als direkter Nachfahre des Fox-Terriers, der aus dem Westen nach Japan kam, ist diese Hunderasse durch Kreuzungen mit kleineren Hunden im 19. Jahrhundert enstanden.

Im Kontrast dazu ist der Tosa Inu die größte japanische Hunderasse und als Wachhund bestens geeignet. Er hat kurzes, oft braunes Fell, Hängeohren und einen sehr gelassenen Charakter, der dennoch einen erfahrenen Besitzer braucht. Heute wird der starke, bis zu 80 cm hohe und 60 Kilo schwere, Mastiff-ähnliche Hund gerne in Hundekämpfen eingesetzt. Diese sind in Japan Tradition und gesetzlich erlaubt. Besonders beliebt sind sie auf dem Land und unterliegen strengen Regeln: bellt oder winselt einer der Hunde oder möchte nicht mehr kämpfen, ist die Runde vorbei. Offiziell hat jeder Hund das „Hunde-Sumo“ bisher überlebt. Der Tosa ist in vielen Ländern als Kampfhund verboten, während er bei uns als Listenhund nur eingeschränkt gehalten werden darf.

 

Wolf, Tiger oder Hund?

Früher waren die japanischen Hundekämpfe nicht blutig, sondern noch restriktiver und glichen eher einem stillen Ritual, bei dem die Hunde sich nicht gegenseitig angreifen durften. Statt dem Tosa Inu nahm daran eine andere Hunderasse teil: der Shikoku Ken. Wie ihr Name gut erkennen lässt, kommt diese Hunderasse vom südwestlichem Shikoku, der kleinsten japanischen Insel. Dieser Hund ist meist dunkler als die anderen Rassen und erinnert nicht nur von der Färbung an einen Wolf. Seine Schulterhöhe bewegt sich zwischen 40 und 56 cm.

Ehemals ein Jagdhund, hat der Shikoku Ken sich zu einem treuen Gefährten entwickelt, der für sein Frauchen oder Herrchen alles tut. Anders als der Akita lässt sich dieser Hund leichter erziehen. Dank seinem Jagdinstinkt muss man aber auf ihn Acht geben, wenn kleinere Tiere in der Gegend sind. Der überaus aktive und geschickte Shikoku möchte ausreichend beschäftigt werden und ist ein hervorragender Kandidat für sportliche Disziplinen für Mensch und Hund – zum Beispiel Agility, in dem Hürdenläufe bestanden werden müssen. Früher gab es Shikoku-Hunde, die halb wild in den japanischen Bergen umherstreiften und kleines Wild jagten, weshalb sie den Freiheitsdrang und die Naturverbundenheit noch immer in sich tragen.

Japanische Hunderasse - Shikoku Ken

Bildnachweise: Autor: Toshihiro GamoFlickr | License

Während der Shikoku Ken an einen Wolf erinnert, wird der Kai Ken auch Tiger-Hund (Tora Inu) genannt.
Seine charakteristischen Streifen kommen meist erst später zum Vorschein, wenn der Hund bereits einige Jahre alt ist. Wie fast alle anderen Rassen ist auch der seltene Kai ein geborener Jäger – und was für einer. Als geschickter Kletterer – der Kai Ken bezwingt sogar Bäume! – und intelligenter, lernfähiger Partner macht ihm so schnell keiner etwas vor. Nur mit genug körperlicher, aber auch mentaler Auslastung fühlt er sich richtig wohl.

 

Japanische Hunde sind Charaktertiere

Abgesehen von Ihrem Äußeren ist allen japanischen Rassen ihre Treue zum Besitzer und gleichzeitig ihre Eigenwilligkeit gemein. Wer das Vertrauen eines japanischen Hundes einmal gewonnen hat, hat einen Begleiter fürs Leben, mit dem es sicher nicht langweilig wird. Ihr Wesen unterscheidet sich jedoch auch von Rasse zu Rasse. Sie möchten wissen, welcher am besten als Haustier zu ihnen passt?

  • Akita Inu: großer, eigensinniger und dennoch unglaublich treuer Gefährte vom Typ Spitz, der früher am kaiserlichen Hof als Jagdhund gehalten wurde. Der bekannteste Akita war Hachiko, der den japanischen Akita Inu zum Sinnbild der Treue erhoben hat
  • Japanischer Chin: die kleinste, kuschelige und freundliche, japanische Hunderasse ist ein toller Familienhund und auch mit weniger Bewegung zufrieden
  • Japanischer Terrier: der perfekte Begleiter für aktive Menschen und Kinder, immer bereit zu toben und Neues zu lernen
  • Hokkaido Ken: als ehemaliger Jagdhund hat er ein dickes Fell und ist sehr dominant. Daher braucht er konsequente Erziehung sowie Herrchen und Frauchen, die sich durchsetzen können
  • Kai Ken: der Hund, der aussieht wie ein Tiger, ist sehr geschickt und schlau – sein Herrchen sollte Zeit mibringen, das auch zu nutzen
  • Kishu Ken: wer einen zuverlässigen und widerstandsfähigen Beschützer sucht, macht mit dem Kishu Ken alles richtig. Allerdings muss man den Gehorsam des intelligenten Kishu erst „verdienen“
  • Shiba Inu: der beliebteste japanische Hund mit dem runden Gesicht und dem großen Lächeln ist der kleine Bruder des Akitas. Der Shiba ist als Dramaqueen bekannt
  • Shikoku Ken: sein ausgeprägter Jagdinstinkt und Freiheitsdrang machen ihn zu einer spannenden Hunderasse, er bildet mit seinem Menschen aber ein gutes Team
  • Tosa Inu: der Tosa ist als "Kampfhund" nur mit einem erfahrenen Halter gut aufgehoben. Doch hinter seiner Größe und Stärke verbergen sich ein sanftmütiges Wesen und ein liebenswerter Charakter.

Auch wenn Hunden rassebedingte Eigenschaften angeboren sind, so hat doch jeder Hund seine eigene Persönlichkeit und Prägung. Gute Erziehung kann aus einem „gefährlichen“ Tier ein liebevolles Familienmitglied machen – und umgekehrt. Interessanterweise steht auch der Akita Inu in manchen Ländern auf einer Liste gefährlicher Hunde, und zwar wegen seiner Kraft und seines ausgeprägten Instinkts, sowie seines Hintergrunds als Jagd- und Kampfhund. Kaum zu glauben, wenn man in das treue Gesicht von Hachiko blickt.

Wenn Sie neugierig auf japanische Hunde sind, schauen Sie sich zuerst in einem Tierheim oder Tierschutzverein in Ihrer Stadt und Umgebung um. Bevor Sie einen Welpen vom Züchter holen, finden Sie womöglich eine liebe Hündin oder einen freundlichen Rüden, der dringend ein neues Zuhause sucht – und zu einem dankbaren und ergebenen Gefährten wird.